Was ist eine gute, oder eine kluge Entscheidung?

Oftmals ist diese Frage gar nicht so einfach zu beantworten. Über den grössten Teil unserer 20`000 Entscheidungen, die wir täglich treffen, brauchen wir nicht nachzudenken – wir treffen sie unbewusst. Dazu gehören z.B. kleine Entscheidungen wie: Was ziehe ich heute an? Putze ich mir zuerst die Zähne, oder trinke ich lieber den Kaffee? Nehme ich den Zug zur Arbeit, oder fahre ich mit dem Auto dahin? All diese Entscheidungen fallen uns leicht, sie rauben uns keine Zeit und wir brauchen keine Energie dafür aufzuwenden – wir nehmen sie gar nicht bewusst wahr.

Wir alle wollen gute Entscheidungen treffen.

Philip Meissner
Allerdings erleben wir im privaten und beruflichen Leben Situationen, wo wir mit wichtigen und schwerwiegenden Entscheidungen konfrontiert werden. Diese fallen uns besonders schwer, da sie grosse Auswirkungen haben können. Situationen, wo wir zwischen zwei oder mehreren Alternativen hin- und hergerissen sind. Wir haben Angst, dabei Fehler zu machen. Angst davor, welche Konsequenzen mit dieser Entscheidung verbunden sind. Konsequenzen, die wir im gegebenen Moment gar nicht voraussehen können. Wir können noch so lange Vor- und Nachteile abwägen, Berechnungen durchführen lassen und verschiedenste Auswertungen durchlesen. Am Schluss schieben wir die Entscheidung immer so lange wie möglich vor uns her. Ohne ein eindeutiges Ergebnis zugunsten von einer der potenziellen Möglichkeiten.

Wenn das Ego nicht da wäre...

Unserem Ego schmeichelt es sehr, wenn wir uns in der Rolle eines guten Entscheiders sehen. Anderseits sind wir oft erstaunlich schlecht darin, dieser Rolle gerecht zu werden. Denn jeder von uns hat schon Fehlentscheidungen getroffen. Dies gehört zu unserem Entwicklungs- und Wachstumsprozess dazu. Allerdings können uns wichtige Entscheidungen sehr viele Sorgen bereiten. Besonders dann, wenn es um sich um möglichen Verlust hoher Geldsummen handelt, grosse Betriebsumstrukturierungen anstehen oder wir Personal entlassen müssen. Solche Entscheidungsfragen setzen uns stark zu und doch gehören sie zum alltäglichen unternehmerischen Dasein. Insbesondere, wenn wir als alleiniger Entscheidungsträger im eigenen Unternehmen dastehen.

Gehirnforschung und Psychologie haben in den letzten zwanzig Jahren ein fundiertes Wissen darüber geliefert, wie Entscheidungsprozesse ablaufen können. Mittlerweile stehen uns unzählige Studien zur Verfügung, zahlreiche Bücher sind zu diesem Thema erschienen und viele Institute und Universitäten widmen sich einzig der Frage: „Wie treffe ich eine gute Entscheidung?“

Trotz vielen Hilfsmitteln, die wir in diesem Zusammenhang nutzen können, bleibt eine Tatsache unumstritten:

„Ohne unsere emotionale Beteiligung ist keine Entscheidung möglich!“

Es liegt an uns dieses Wissen um die emotionale Beteiligung zu nutzen, um zu lernen, gute Entscheidungen für uns selbst und zugunsten allen unmittelbar Beteiligten zu treffen.

Das Geheimnis guter Entscheidungen

Wir können es lernen, gut zu entscheiden. Neben der Nutzung bewährten Methoden zur Entscheidungsfindung ist es wichtig zu verstehen, was in unserem Gehirn, der Psyche und schliesslich in unserem Körper abläuft, wenn wir Entscheidungen treffen.

Homo oeconomicus

Unsere Vorstellung von guten Entscheidungen ist zwangsläufig an die Begriffe „Denken“, „Vernunft“ und „Verstand“ gekoppelt. Diese Vorstellung wird vom allgemein dargestellten Bild der heutigen Manager umso mehr verstärkt. Demzufolge sollen gute Entscheidungen ohne Emotionen und Leidenschaft gefällt werden. Erfolgreiches Management basiert daran, dass Kosten und Nutzen gegeneinander abgewogen werden, um daraufhin sachliche und rational begründete Entscheidungen zu treffen. Am besten gleich wie ein Computer. Diese Vorstellung ist mittlerweile bei uns so tief gespeichert, dass sie gar nicht mehr hinterfragt wird – wir erwarten es einfach. Obwohl wir selbst Aussagen wie: „Sei doch mal vernünftig!“ – „Denk bitte noch einmal darüber nach.“ – „Nutz doch deinen Verstand!“ fast täglich gebrauchen. Dabei implizieren genau solche Aufrufe, dass eine emotional gesteuerte Entscheidung im Spiel ist.

Homo sapiens

Tatsächlich verarbeitet unser Gehirn nicht nur die Fakten. Es entwickelt auch Emotionen. Diese wiederum rufen Veränderungen im Körperempfinden hervor, die unsere Entscheidung beeinflussen bzw. verzerren können. Und genau diese Emotionen unterscheiden uns von Rechenmaschinen. Emotionen haben wir alle.

Wir dürfen nicht vergessen, dass unsere Emotionen uns durch unser Leben steuern und wir ihnen folgen, ohne es zu wissen.

Vincent van Gogh, Maler

Gehirngebiete Verstand – Bewusstsein

Unser Gehirn benutzt für bewusste Vorgänge ein anderes Gebiet als für unbewusste. Immer dann, wenn uns bestimmte Dinge ins Bewusstsein kommen, ist unsere 3 mm dicke Grosshirnrinde aktiv. Um es mit den Worten des Gehirnforschers A. Damasio auszudrücken, verfügt dieser Bereich über wenig Arbeitsspeicher, funktioniert langsam und kann nur wenig Datenmengen gleichzeitig bearbeiten. Demzufolge können Verstandesanalysen lange dauern. Die gelieferten Ergebnisse benötigen etwas längere Zeit, sind aber dafür sehr präzise und detailliert.

Flucht oder Kampf?

Ein konkretes Beispiel dazu liefert der Gehirnforscher Joseph LeDoux. Du gehst im Wald spazieren und bist tief in Gedanken mit deiner nächsten Präsentation beschäftigt. Auf einmal zuckst du zusammen, weil du meinst, am Wegrand die Umrisse einer Schlange zu sehen. Dein Herz rast und in der Magengegend ist es gar nicht mehr so wohl. Alle diese Reaktionen sind unbewusst schon abgelaufen, während du noch die Präsentation in Gedanken durchgegangen bist. Die Information, die du an dieser Stelle sehr schnell bekommen hast ist aber noch unklar. Du weißt nicht, ob es sich tatsächlich um eine Schlange handelt. Hier kommt der Verstand dazu und liefert eine genaue Analyse: Es ist ein mit Moos bewachsener und gekrümmter Ast, der da am Wegrand liegt. Hier hat die Emotion eine Fehleinschätzung geliefert.

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Es gibt zwei gefährliche Abwege: die Vernunft schlechthin abzulegen und ausser der Vernunft nichts anzuerkennen.

Blaise Pascal, Mathematiker & Physiker

Gehirngebiet Emotionen – Unbewusstes

Die gesamte Aktivität des Gehirns, die unterhalb der Grosshirnrinde stattfindet, läuft unbewusst ab (wie die eingangs erwähnten 20`000 Entscheidungen). Unter bestimmten Umständen gelangen gewisse Informationen doch in unser Bewusstsein, wenn die Aussenreize dazu stark genug sind z.B., wenn wir etwas wahrnehmen, was bei uns eine Erinnerung hervorruft. Im Unbewussten Teil des Gehirns befindet sich ein Zusammenschluss der Teilgebiete, das wesentlich für gute Entscheidungen ist. Diesen Zusammenschluss nennt der Gehirnforscher G. Roth das „emotionale Erfahrungsgedächtnis“.

Das Unbewusste denkt auch mit

Im Gegensatz zum bewussten Anteil der Grosshirnrinde, verfügt der unbewusste Teil über einen enormen Arbeitsspeicher (all unsere Erfahrungen und die damit verbundenen Emotionen sind, wie der Name schon sagt, darin gespeichert). Somit ist er in der Lage, sehr grosse Datenmengen in kürzester Zeit und blitzschnell zu verarbeiten. Dafür sind seine Ergebnisse diffus und detailarm und eher allgemein gerichtet. Es liefert uns schnelle Einschätzung der Situation und die erste Orientierung, bevor der Verstand eingeschalten wird. Man hat einfach ein „ungutes Gefühl“ bei der Sache, kann es aber nicht mit sachlichen Argumenten begründen. Folgendes Beispiel hast du als Unternehmer vielleicht auch schon erlebt.

Im Nachgang gibt es immer Einen, der es besser wusste

Die Funktionsweise des Unbewussten zeigt Psychologin Maja Storch am Beispiel eines Stellenbewerbers, bei dem du nur hervorragende Zeugnisse siehst. Deine Emotion (die viel schneller ist und viele Daten verarbeiten kann) hat schon längst gemeldet: „Passt nicht zu uns! Weg mit ihm!“. Der unbewusste Teil in dir hat während dem Interview bereits alle „Macken“ des Bewerbers realisiert. Seine herablassende Art weiblichen Kolleginnen gegenüber, den zu festen Händedruck und sein aufgesetztes Lächeln. Bei dieser Entscheidung verlässt du dich auf den Verstand (wir erinnern uns: arbeitet langsam und mit wenig Daten), welcher die dargelegten Fakten in Form von ausgezeichneten Zeugnissen und Referenzen analysiert hat, und ignorierst die Meldung deiner Emotion. Am Schluss erweist sich der eingestellte Mitarbeiter doch als unpassend.

Wenn es aber um neue und noch nicht erlebte Situationen geht, wurde einzig der Verstand dafür geschaffen, diesen Part zu übernehmen. Denn unser emotionales Erfahrungsgedächtnis kann gar nicht damit umgehen – es verfügt über keine Vergleichswerte, die es uns liefern kann!

Willst du es wissen, oder weißt du schon, dass du wissend bist?

Diese Beispiele zeigen uns deutlich, dass wir die Stärken und Schwächen unserer beiden Entscheidungssysteme kennen und situationsgerecht einsetzen sollten, denn beide können uns zu Trugschlüssen verleiten. Ebenso die vielen psychologischen Effekte und die Funktionsweise unseres Gehirns. Wenn wir es lernen, zumindest diese beiden Systeme zu koordinieren, gewinnen wir einen wertvollen Begleiter durch unsere Entscheidungsprozesse. Wie es dir gelingt, deine Entscheidungen ohne emotionale Verzerrungen und Blockaden zu treffen, zeige ich dir gerne im Einzelcoaching.

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